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Krebsliga SolothurnSie suchen HilfeMeine Geschichte – Betroffene erzählenMeine Geschichte – Betroffene erzählen

Regula

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Ein Tumor im Enddarm, ein künstlicher Darmausgang, eine COVID-19 Infektion und chronische Schmerzen. Insgesamt 11 der letzten 15 Monate hat Regula in Kliniken verbracht. Ihren Humor verloren hat sie trotzdem nicht.

Regula ist ein Phänomen. Wenn sie erzählt, dann spürt man ihre Abenteuerlust, ihren Humor und die Rebellin, die tief in ihr drinsteckt. Locker könnte sie zwei, drei Stunden über ihre jugendlichen Eskapaden im Bern der 80er Jahre berichten, wie ein Wasserfall sprudelt es aus ihr heraus, wenn sie über die zahlreichen Segel- und Bootsreisen berichtet, auf die sie sich begeben hat, auf Flüssen und auf hoher See, bis in die Karibik. Verträumt blickt sie auf weitere Reisen mit Camper oder Hausboot voraus, die sie gerne noch erleben möchte. «Mein Element ist das Wasser, dort habe ich mich immer am wohlsten gefühlt» sagt sie und fügt an: «allgemein das Reisen, vorbeiziehende Landschaften zu sehen, rumzukommen, das ist meine Leidenschaft.» Fast vergessen geht dabei die eigentliche Geschichte, ihre Geschichte vom Krebs, die von unvorstellbaren Komplikationen und Schmerzen, aber auch von Einsamkeit geprägt ist. «Teils habe ich Wochen, Monate auf sechs Quadratmetern verbracht, in einem Spitalzimmer, das gerade einmal ein Bett und einen Nachttisch für mich beinhaltete. Das war meine Welt. In dieser Welt gab es nur noch mich, Regula.» Für einen Menschen wie Regula, der die Weite der Meere so schätzt, kaum genug kriegen kann von neuen Eindrücken, unbekannten Landschaften und diesem Gefühl der Freiheit – für den muss das wahrlich die Hölle gewesen sein. Immerhin habe ihr in dieser Situation mit Sicherheit geholfen, dass sie sich das Leben auf engstem Raum gewohnt war – sei es vom Campen her oder von der Kajüte.

Es begann nach einer Bootstour

So wie damals im Frühling 2019, als sie sich auf eine Bootsfahrt von Moskau bis fast zum Polarkreis und zurück nach St. Petersburg begeben hatte: «Das war der absolute Hammer, diese Reise – zwei Wochen Essen, Trinken, Plaudern.» erinnert sie sich. Zurück zu Hause sei sie zunächst überrascht gewesen, dass sie trotz all dem vier Kilogramm abgenommen hatte: «Ich habe gar einer Reisebekanntschaft geschrieben, das müssten wir gleich wieder machen, das lohne sich ja richtig». Nachdem sie aber über mehrere Wochen hinweg Durchfall hatte und ständig eine leicht erhöhte Körpertemperatur von über 37 Grad, veranlasste ihre Ärztin weitere Abklärungen. Knapp drei Monate und zig Abklärungen später, brachte schliesslich der MRI-Befund Gewissheit: «Enddarmkrebs». Wirklich überrascht sei sie nicht gewesen, sagt Regula. Höchstens, dass es bei ihrem Lebenswandel nicht die Lunge getroffen habe. «Es ist aber auch alles sehr schnell abgelaufen danach, ich hatte kaum Zeit emotional zu werden», schiebt sie nach.

Gerade einmal 14 Tage nach der Diagnose beginnt ihre Chemotherapie, die sie aber vorzeitig abbrechen muss, weil sie nach dem dritten Zyklus zusammenbricht und bei ihr eine Lungenentzündung festgestellt wird. Kaum erholt, startet die Radiochemotherapie, eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie, die ihr wiederum sämtliche Kräfte raubt. Sie muss mit schweren Darmkrämpfen und Durchfällen wieder 3 Wochen ins Spital, weshalb sie Ende Januar 2020 für fünf Wochen in Rehabilitation geht. Danach gehen die Komplikationen aber weiter. Fast schon wie ein böser Streich des Schicksals mutet es an, dass Regula sich während ihres anschliessenden Spitalaufenthalts im Zug der Darmkrebsoperation auch noch eine COVID-19-Infektion einfängt und mit einer beidseitigen Lungenentzündung in Quarantäne muss. Als wäre das alles nicht belastend genug, erleidet sie im Anschluss an die Operation mehrere Narbenbrüche, worauf ihr mit feinen, selbstauflösenden Klammern eine Art Netz unter die Bauchwand ‘getackert’ wird

 

Mittlerweile ist es Februar 2021. Noch immer verspürt Regula konstant Schmerzen, mal stärker, mal schwächer. Trotzdem sagt sie: «Eigentlich geht es mir gut.» Natürlich sei das Leben mit einem Stoma, also dem künstlich angelegten Darmausgang, nach wie vor sehr gewöhnungsbedürftig und auch die andauernde Corona-Situation erleichtere das Zurückfinden in einen geregelten Alltag nicht. «Aber immerhin bin ich krebsfrei.» fügt sie an und muss selbst grinsen.

Auch während der Krebserkrankung hat sie sich niemals selbst aufgegeben und in der Zeit, in der sonst niemand da war, hat sie sich eben selbst für sich stark gemacht. «Das hat auch die eine oder andere Person im Spital abbekommen, wenn ich mich nicht gut behandelt gefühlt habe» gibt sie beinahe entschuldigend zu Protokoll. In gewisser Hinsicht gehe es ihr heute sogar besser als früher: «Der Krebs hat meine Depression geheilt» sagt sie sinnbildlich und meint damit, dass sie durch den Kampf gegen die Krankheit wohl einen ganz neuen Zugang zu ihrem Leben gefunden hat.

Unterstützt habe sie dabei nicht zuletzt die Krebsliga Solothurn, die ihr den Weg zurück durch die persönlichen Beratungsdienstleistungen geebnet habe: «Linda [ihre Beratungsfachperson, Anm. d. Red.] ist ein Goldschatz. Sie hat nicht lange geredet, sondern gleich zum Telefon gegriffen und diverse Abklärungen für mich gemacht. Und sie hat an all die kleinen Dinge gedacht, die es zu organisieren galt.» Nebst diesen Abklärungen, etwa bezüglich der Krankenkasse, der Vermittlung spezialisierter Therapeutinnen und Therapeuten und der Alltagsorganisation, sei sie der Krebsliga vor allem dafür dankbar, dass sie hier so offen über ihre Krankheit, ihre Ängste und Sorgen reden könne. Auch in diesem Gespräch, das sie mit der Bemerkung abschliesst: «Ich merke, ich muss wieder einen Termin mit Linda vereinbaren bezüglich meiner Pensionskasse. Ich habe aufgehört, weiter als zwei Jahre vorauszuplanen und überlege mir deshalb, diese aufzulösen. Davon könnte ich mir dann ein Hausboot kaufen und Flussfahrten unternehmen, solange das noch geht!» Sie lacht.

Nein, ganz abgeschlossen ist Regulas Geschichte definitiv noch nicht.